Neujahrslied

Georg Simon Löhlein

Wer kommt? wer kauft von meiner Waar?

Devisen auf das neue Jahr

Für alle Stände.

Und fehlt auch einer hie und da,

Eun einz'ger Handschuh paßt sich ja

Auf zwanzig Hände.

Du Jugend, die du tändelnd liebst,

Ein Küßchen um ein Küßchen gibst,

Unschuldig heiter;

Jetzt lebst du noch ein bißchen dumm,

Geh nur noch dieses Jahr herum,

Du kommst schon weiter.

Die ihr schon Amors Wege kennt

Und schon ein wenig lichter brennt,

Ihr macht mich bange.

Zum Ernst, ihr Kinder, von dem Spaß!

Das Jahr! zur höchsten Not noch das!

Sonst währt's zu lange.

Du junger Mann, du junge Frau,

Lebt nicht zu treu, nicht zu genau

In eurer Ehe.

Die Eifersucht quält manches Haus

Und trägt am Ende doch nichts aus

Als doppelt Wehe.

Die ihr des Gatten Tod beklagt

Und aller Welt Valet gesagt

Adieu der Freite;

Es ist gar manche Nacht im Jahr,

Und wenn die erste ruhig war,

Ists auch die zweite?

Ihr, die ihr Hagestolze heißt,

Der Wein heb euren großen Geist

Beständig höher;

Zwar Wein beschweret oft den Kopf,

Doch der tut manchem Ehetropf

Wohl zehnmal weher.

Mir Armen, itzt der Mädchen Hohn,

Mir helfe doch Cytherens Sohn

Zu meinen Waden,

Da nehm' ich wohl auf meinen Leib

Im künftgen Jahr ein junges Weib,

Das kann nichts schaden.