Mailied

Giacomo Meyerbeer

Kennst du das süße Lied?

Frühling hat mir's gesungen,

lieblich ist's dort erklungen,

wo die Rose erblüht

und die Veilchen, die jungen.

Kennst du es wohl?

Sanft ertönt's rings umher

an des Bach's Blütenraine,

aus der Sonne strahlendem Scheine,

und der Vögelein Heer

zirpt es leis in dem Haine.

Zephyr hat's dort erzählt

den lauschend stillen Blüten,

die hold im Lenz erglühten.

Ja kein Künstler der Welt

sang im Norden uns Süden

solch ein Lied süß und mild.

Die Natur tönt es wieder,

wenn den duftenden Flieder

in Tau der Abend hüllt

und Luna strahlt hernieder!

Wohl! es sei dir vertraut:

was mir das Herz beglücket,

das Leben herrlich schmücket,

ist ein einziger Laut,

ein Ton, der mich entzücket.

Ja, dies Wort heißt die Liebe allein.

Ach die himmlischen Sterne

in der endlose Ferne,

die Blüten dort im Hain,

sie säuseln so gerne von der Liebe,

sie säuseln von Lieb' allein.