Der Frühling
Grieg, Edvard
Ja, noch einmal konnt' den Winter ich seh'n
dem Frühlinge weichen,
Weissdorn erblühte mit Dolden, so schön,
so ganz ohne Gleichen.
Und noch einmal konnt' ich Eisflächen schau'n
dem Lande entfliehen,
Schnee sah ich schmelzen und Ströme, voll Grau'n,
sich wälzen und sprühen.
Matten, die grünen, noch einmal konnt' ich seh'n,
mit Blumen voll Wonne;
einmal noch sang mir die Lerche, so schön,
im Sommer voll Sonne.
Glitzernde Strahlen noch einmal ich sah
auf Lenzhügeln gaukeln,
Schmetterling' sah ich auf Blumen allda,
so lustig sich schaukeln.
All' diese Lenzlust von Neuem ich sah,
die dann, ach, entschwunden,
Doch jetzt, voll Schwermuth, schon fühl' ich mir nah'
die letzte der Stunden.
Mög' es gescheh'n denn, im Leben, so werth,
viel Glück durft' ich finden;
mehr als verdient ward mir Freude bescheert,
und Alles muss schwinden.
Einmal mich führt's nach dem lenz-frischen Thal,
das Sehnsucht mir stillet,
dort find' voll Sonne ein Heim ich einmal,
wo Lust mich erfüllet.
Das, was der Lenz mir hienieden gebar,
die Blum', die ich pflückte,
schien mir der seligen Geister hehre Schaar,
der Erd' schon entrückte.
Darum ich hörte auf Schritt und auf Tritt
ein räthselhaft Singen,
Laute, auf Flöten, die oft ich mir schnitt,
wie Seufzer erklingen.