Lied am Felsen

Grieg, Edvard

Es hebt sich der Berg so prächtig

glühend empor,

der Mond tritt aus düstern Wolken

strahlend hervor!

Wie ist es so still im Tale dort,

die Quellen rauschen leise fort;

Orangen schauen leuchtend

aus dunkelem Laub hervor.

Es schreitet mein Maultier langsam hin

auf dem Steg,

verlanget wohl nach der Nahrung, matt

schon und träg'.

Die Stimme des Tiers, die weithin dringt,

in Bergen und Tälern widerklingt.

Es schüttelt seine Ketten,

wann hat denn ein End' der Weg?

Auch ich kann nur langsam wandern,

steil ist mein Gang,

mich haltend an zack'gen Felsen

schreit' ich entlang.

Dort oben im kleinen Winzerhaus

strahlt freundlich ein Feuer mir heraus.

Ich weiß, wer dort mein harret

und horchet auf meinen Sang!

Die schwarzbraunen Augen strahlen

lieblichen Schein,

sie sagen mir: „All' mein Lieben

ist einzig dein!”

Es tönt der Kapelle Glockenklang,

dazwischen der Nonnen Abendsang.

Madonna, schütze gnädig

auf ewig die Liebste mein!

O Nina, mein herzig Weibchen,

wonnig und warm!

Wie bald soll dich froh umschlingen

kräftig mein Arm.

Die süßesten Küsse saug' ich ein,

ach, könnt' ich doch immer bei dir sein!

Bin ich mit dir vereinet,

so schwindet mir Leid und Harm!