Waldlied
Grieg, Edvard
Ein Vogel auf dem Buchenzweig,
der hörte meine Lieder;
was er gehört, behielt er gleich
und sang es flugs mir wieder.
Mir war das Herz so leicht und froh,
befreit von allen Leiden;
dem Vogel ging es ebenso,
drum stimmten schön die beiden.
Es zog die Sonne ihre Bahn,
ein Windzug rauschte leise;
im dunkeln Parke zog der Schwan
so heimlich seine Gleise.
Zart lächelte Blaublümelein,
den Rand mit Tau umsäumet,
und flüsterte so zart und fein,
was ihm zur Nacht geträumet.
Die Hummel sich ein Mahl erkor
bei süßen Blumendüften,
der Habicht schwebte hoch empor
zu blauen Himmelslüften.
Erdbeeren mir die Erde bot,
die aus dem Grase blinkten;
im Busch die Haideröschen rot
mit Liebesblick mir winkten.
Der Liederschatz im Busen trieb
uns immerfort zu singen,
und die Gedanken süss und lieb,
sie regten ihre Schwingen.
So sangen heiter wir und froh
in lauten Jubeltönen,
wir dachten, ewig währte so
die Lust am ewig Schönen.
Da sahen an dem Himmel wir
die dunkeln Wolken steigen;
dem Vogel wards so bang wie mir,
wir mussten beide schweigen.