Die Hochländer-Wittwe

Gustav Dullo

Ich bin gekommen ins Niederland,

O weh! o weh! o weh!

So ausgeplündert haben sie mich,

Daß ich vor Hunger vergeh.

So war's in meinem Hochland nicht;

O weh! o weh! o weh!

Ein hochbeglückter Weib, als ich,

War nicht auf Thal und Höh!

Denn damals hatt' ich zwanzig Küh';

O weh! o weh! o weh!

Die gaben Milch und Butter mir,

Und weideten im Klee.

Und sechzig Schafe hatt' ich dort;

O weh! o weh! o weh!

Die wärmten mich mit weichem Vließ

Bei Frost und Winterschnee.

Es konnte Kein' im ganzen Clan

Sich größern Glückes freun;

Denn Donald war der schönste Mann,

Und Donald, der war mein!

So blieb's, bis Charlie Stuart kam,

Alt-Schottland zu befrein;

Da mußte Donald seinen Arm

Ihm und dem Lande leihn.

Was sie befiel, wer weiß es nicht?

Dem Unrecht wich das Recht,

Und auf Culloden's blut'gem Feld

Erlagen Herr und Knecht. --

O! Daß ich kam ins Niederland!

O weh! o weh! o weh!

Nun giebt's kein unglückselger Weib

Vom Hochland bis zur See!