Eine Thräne

Gustav Heinrich Graben-Hoffmann

Rinne, rinne leise

Meine Thräne du

Im gewohnten Gleise

Meinem Busen zu.

Auf meinen Wangen magst du sehn,

Ob frisch noch da die Rosen stehn?

Rinne, rinne leise

Meine Thräne du!

Thräne, nicht vergebens

Bist du voll und groß:

Schwimmt doch meines Lebens

Glück in deinem Schooß.

Es schwimmt in dir so viel, so viel,

Mein Lieben und mein Saitenspiel --

Thräne, nicht vergebens

Bist du voll und groß!

Immer magst du fallen,

Bist die letzte nicht:

Meine Lippen lallen

Wohl noch manch Gedicht,

Und meine Liebe sinnt und wacht,

Und träumt von ihr bei Tag und Nacht --

Bist du schon gefallen?

Bist die letzte nicht!