Liebesgruß aus der Ferne

Gustav Schmidt

Sind wir geschieden,

Und ich muß leben ohne dich,

Gib dich zufrieden,

Du bist mein einz'ges Licht.

Bleib' mir beständig,

Treu, unabwendig:

Mein letzter Tropfen Blut

Sei dir, mein Engel, gut.

Ich will indessen,

Mein Engel und mein Kind,

Dein nicht vergessen,

Du bleibest mir in dem Sinn.

Die Zeit wird's fügen,

Dass mein Vergnügen

Nach überstand'ner Pein

Wird desto größer sein.

Weht, weht, ihr Winde,

Und bringt mir einen Gruß

Von meinem schönsten Kinde,

Darum ich trauern muß.

Küßt ihr die Wangen,

Sagt mein Verlangen,

Bringt ihr die Botschaft mein:

Ich leb' und sterbe dein.

Flieht, flieht ihr Lerchen

Über Berg und über Tal!

Grüßt meine Schönste

Viel hunderttausendmal!

Flieht in den Garten,

Tut meiner warten,

Allwo die Treue glüht,

Ich leb' und sterb' vergnügt.