Die wilden Rosen (Zuleika)
H. Berger
Die Wellen murmeln leis im Flusse,
Durch Wolken bricht der Sterne Pracht
Und, trunken von dem Sonnenkusse,
Träumt die Natur im Arm der Nacht.
Von ihren Schleiern lind umfangen
Ist rings das Thal der Hügel Knauf. --
Mein süßes Kind, was willst Du bangen?
Die wilden Rosen blühen auf!
Du wendest seitwärts Mund und Wange?
Horch, was im Wogenlispeln spricht!
Es küssen sacht am Uferhange
Die Wellen die Vergißmeinnicht.
Und lausche, wie es rauscht verstohlen
Dort in des Waldes laub'gem Dach --
Das ist des Zephyrs Athemholen!
Er küßt die wilden Rosen wach!
Still! Hörst Du's nicht vom Busche schallen?
Die Brust durchzuckt's wie Flammenguß.
Das sind des Frühlings Nachtigallen,
Das ist des Mai's gesung'ner Kuß!
Fühlst Du nicht Wonnen unermessen
Aus dieses Liedes Klängen sprühn?
Komm'! Laß' uns Lipp' auf Lippe pressen,
Mein Lieb'! Die wilden Rosen blüh'n!
Sie blüh'n! Versteckt im Kelche kosen
Die Falter und die Käferlein.
Komm', holdes Kind! Bei wilden Rosen,
Da laß' uns liebend selig sein!
O, rede nicht! Ich will sie schließen,
Die Lippen mit dem Kusse zu!
Laß' uns die Rosenzeit genießen,
Du, meine wilde Rose Du! --