An Minna
H. Bill
Willst noch einmal mir erscheinen,
holdes Engelsangesicht,
mich begrüßen als den Deinen
mit der Augen Himmelslicht?
Wie ein Seraph dufte nieder,
schweb' um mich im lichten Traum,
doch zerstäube mir nicht wieder
wie der Welle eitler Schaum!
Tief hast du mein Herz getroffen
mit der Liebe sicher'm Pfeil,
darum kann es nimmer hoffen,
wird es nimmer wieder heil.
Es zerschmilzt im ew'gen Sehnen,
wird dein Raub, Melancholie,
fühlt' es einst die linden Tränen
gleichgestimmter Sympathie.
Soll ich keinen Lenz mehr sehen?
Ach, so bleib mir ewig fern!
Soll des Lebens Hauch verwehen?
Geh mir unter, schöner Stern!
Tönet dann mein Grabgeläute,
kling' es dir im Innern nach,
und sein Trauerton bedeute,
dass ein Herz voll Liebe brach.
Willst du aber mir gewähren,
holde L., süß und mild,
dann versiegen meine Zähren,
meine Sehnsucht ist gestillt!
Heiter lacht der Lenz mir wieder,
neu erblüht das Leben mir,
Wonne atmen meine Lieder,
atmen, teure L., dir!