Der alte Abt
H. Breidenstein
Dort in den Klostertrümmern geht
Der alte Abt herum.
Sein langer Bart im Winde weht,
Der Rücken ward ihm krumm.
Nicht mit den Augen sieht er mehr,
Er tappt nur mit dem Stab.
Was sucht er doch, was wandert er?
Die Gräber zählt er ab.
Doch, wie er zählt und wie er späht,
Eins fehlt ihm immer noch.
Dann schüttelt er das Haupt und geht,
Kommt morgen wieder doch.
Die eigne Ruhstatt find't er nicht,
Quält sich allnächtlich ab.
Wenn endlich ganz der Bau zerbricht,
Das ist des Treuen Grab.