Sehnsucht
H. Distler
In dieser Winterfrühe
Wie ist mir doch zumut!
O Morgenrot, ich glühe
Von deinem Jugendblut!
Es glüht der alte Felsen,
Und Wald and Burg zumal,
Berauschte Nebel wälzen
Sich jäh hinab das Tal.
Mit tatenfroher Eile
Erhebt sich Geist and Sinn,
Und flügelt goldne Pfeile
Durch alle Ferne hin.
Auf Zinnen möcht' ich springen
In alter Fürsten Schloß,
Möcht' hohe Lieder singen,
Mich schwingen auf das Roß!
Und stolzen Siegeswagen
Stürzt' ich mich brausend nach!
Die Harfe wird zerschlagen,
Die nur von Liebe sprach.
-Wie? schwärmst du so vermessen,
Herz, hast du nicht bedacht,
Hast du mit eins vergessen,
Was dich so trunken macht?
Ach, wohl! Was aus mir singet,
Ist nur der Liebe Glück,
Die wirren Töne schlinget
Sie sanft in sich zurück.
Was hilft, was hilft mein Sehnen?
Geliebte, wärst du hier!
In tausend Freudentränen
Verging' die Erde mir.