Blumentrost

H. Dorn

Leicht schlägt das Herz, wo Blumen blühen,

bei Blumen aller Gram zerrinnt.

Das hab' ich schon gefühlt als Kind;

wollt' mir das Aug' von Tränen glühen,

zu Blumen eilte ich geschwind.

Sie waren meines Leids Vertraute,

sie sogen meine Schmerzen ein,

ihr Kelch war meiner Tränen Schrein,

auf den ich lächelnd niederschaute

wie in ein tröstend Aug' hinein.

Ich sprach von meinen Schmerzen, Freuden,

als hörten sie der Worte Laut;

sie haben treu mich angeschaut.

O Blumen, dass ich musste scheiden

und Menschenaugen hab' vertraut!

Die sind so treu nicht wie die euer'n,

die blicken klug nur und gescheit;

ihr Blumen, die ich floh so weit,

o lasst bei euch, bei euch mich feiern

mit Tränen meine Kinderzeit!