Der Frühling am Rhein
H. Dorn
Das ist die helle Frühlingszeit!
Horch, wie vom Gebirg der Kukuk schreit,
Sieh, wie die Schwalben schließen!
Erquicke dich an der lauen Luft,
An der Felder Grün, an der Wälder Duft,
An der wilden Blumen Sprießen!
Mein Lieb herbei,
Im wonnigen, sonnigen, süßen Mai,
So frisch und frei
Zu singen, zu trinken, zu küssen!
In blühenden Lauben ruhen wir aus
Und füllen im lustigen Frühlingshaus
Den hohen krystallenen Becher.
O wirf die lichten Blumen hinein:
Hoch dir, hoch mir im duftigen Wein,
Wir liebeseligen Zecher!
Mein Lieb herbei,
Im wonnigen, sonnigen, süßen Mai,
So frisch und frei
Zu singen, zu trinken, zu küssen!
Und endet das Lied, ist der Becher zu Grund,
So gib mir den rothen schwellenden Mund
Zum letzten höchsten Genusse!
Was Lied und Klang, was Glanz und Licht!
So selig schwärmt sich im Lenze nicht,
Wie in der Liebsten Kusse!
Mein Lieb herbei,
Im wonnigen, sonnigen, süßen Mai,
So frisch und frei
Zu singen, zu trinken, zu küssen!
Aus Laubesgrün, aus Blütenglanz,
O laßt uns weben den heitern Kranz
In die blonden fliegenden Locken!
Die Höhen entlang am grünen Rhein
Laß singend uns wandern im Sonnenschein,
Hoch über Flöten und Glocken!
Mein Lieb herbei,
Im wonnigen, sonnigen, süßen Mai,
So frisch und frei
Zu singen, zu trinken, zu küssen!