In Weißensee
H. Eisler
Da, wo Chamottfabriken stehn -
Motorgebrumm -
da kannst du einen Friedhof sehn,
mit Mauern drum.
Jedweder hat hier seine Welt:
ein Feld.
Und so ein Feld heißt irgendwie:
O oder I.
Sie kamen hierher aus den Betten,
aus Kellern, Wagen und Toiletten,
und manche aus der Charité
nach Weißensee, nach Weißensee,
nach Weißensee, nach Weißensee.
Wird einer frisch dort eingepflanz
nach frommen Brauch,
dann kommen viele angetanzt -
das muß man auch.
Harmonium singt Adagio -
Feld O -
das Auto wartet Taxe drei -
Feld Ei.
Ein Geistlicher kann seins nicht lesen.
Und was er für ein Herz gewesen,
hört stolz im Sarge der Bankier
in Weißensee, in Weißensee,
in Weißensee, in Weißensee.
Da, wo ich oft gewesen bin,
zwecks Trauerei,
da bringt man dich und mich dann hin,
wenns mal vorbei.
Du liebst. Du reist. Du freust dich, du -
Feld U -
Es wartet in absentia
Feld A.
Es tickt die Uhr. Dein Grab hat Zeit,
drei Meter lang, ein Meter breit.
Du siehst noch drei, vier fremde Städte,
du siehst noch eine nackte Grete,
noch zwanzig-, dreißigmal den Schnee -
Und dann: Feld P - in Weißensee,
und dann: Feld P - in Weißensee.