Abendfeier in der Fremde

H. Esser

Begraben in Waldesschatten

lieg' ich im Abendschein.

Wie lieblich duften die Matten,

wie traulich säuselt der Hain!

Die Tannen ragen düster

hoch in die Wolken hinein

und wiegen mit süßem Geflüster

in liebliche Träume mich ein.

Das Bächlein rauscht in der Tiefe,

es klagt der Nachtigall Ton;

mir ist, als ob ich schliefe

tief in der Erde schon.

Wohl ruh' ich an fremder Stätte,

von allen Lieben so weit,

doch dünkt mich fast, als hätte

vergessen ich längst mein Leid.

Die Wälder rauschen und klingen,

die Abendsonne erglüht,

die Vöglein schmettern und singen

das alte Heimatlied.

Mir ist's, als küsste die Träne

hinweg lieb Mütterchens Mund,

die ich in bangem Sehnen

geweint um die Heimat jetzund.

O lass mich lange noch träumen,

o stille Abendzeit,

umweht von duftenden Bäumen,

versunken in Seligkeit!