Abendfrieden

H. Esser

Horch, wie es in weitem Kreise

lieblich klinget, flüsternd weht!

Durch die Schöpfung ziehet leise

Schlummerlied und Nachtgebet.

Blütenduft'ge, süße Träume

schweben durch den grünen Hain;

heimlich rauschen alle Bäume,

und die Büsche stimmen ein.

Welch ein märchenhaftes Klingen,

welch geheimnisvolles Weh'n,

durch die Zweige welch ein Singen,

Saitenspiel aus Himmelshöh'n!

Wie die Vöglein süße locken

rings in lieblichem Verein,

und, gewiegt vom Abendwinde,

geht der grüne Wald zur Ruh'.

Möcht' wohl wissen seine Träume,

wenn geheimnisvoll er nickt,

und der Mond durch Busch und Bäume

heimlich lauschend niederblickt.