Der fahrende Student

H. Esser

Schön Liebchen im Herzen, auf den Lippen ein Lied,

Der Bursch in die Ferne, in weite Ferne zieht,

Sein Rock ist verschossen, doch frisch sein Gemüth...

Daß Gott dich auf der Reise, du junges Blut, behüt'?

Auf dem Berge hoch oben im Morgensonnenstrahl,

Da sieht er noch einmal zurück in das Thal.

Am Strome durch Bäume wie schimmert die Stadt

Die Stadt, die nur ein Karzer, doch tausend Schenken hat!

Von Weinlaub umzogen am Thore steht ein Haus

Da blickt so verstohlen ein Mädchen heraus.

Sie faltet die Hände vor übergroßem Schmerz

Und sendet Gebete stillweinend himmelwärts.

Ihr Augen voll Tränen, du liebes frommes Licht,

Lebt wohl und vergeßt mich, ihr nassen Sterne, nicht!

Nach euch will ich schauen in heller Sommerpracht,

Zu euch will ich beten in der stillen, stillen Nacht.

Lebt wohl auch, ihr Brüder, des Vaterlandes Zier!

Ich bring euch das letzte, allerletzte Schmollis hier.

Leb wohl, mit der Kreide bezahlter Schenkwirth du,

Ihr Kneipen und Pedelle und du Karzer auch dazu!

Zu den Lieben noch sendet der Bursche manchen Gruß,

Wie Einer, der nicht scheiden will und doch scheiden muß.

Still über die Wange ihm Thrän' an Thräne zieht...

Daß Gott dich auf der Reise, du treues Blut, behüt'!