Des Herzens Blumenstrauss

H. Esser

Als Gott dich in die Welt gesandt,

In seine Welt voll Lust und Schmerz,

Da steckte er als Liebespfand

Ein Blumensträußchen dir in's Herz.

Dort keimte es und duftete

Und blühte still und ungesehn,

Doch träumten seine Blumen all'

Vom Sonnenschein und Frühlingswehn.

Und als der schöne Mai nun kam,

Da duldete sie's länger nicht,

Da strebten sie voll holder Schaam

Empor in dir an's Tageslicht.

Da schmückte deine Wangen sanft

Der Rosen wunderlieblich Glühn,

Die Lilien küßten deine Stirn,

In süßer Unschuld dort zu blühn.

Es rankten die Vergißmeinnicht

Zu deinen Augen sich empor,

Und schauten sanft und seelenvoll

Und fromm und lieb daraus hervor.

Du aber wandelst nun dahin

In holdem Schmuck, und ahnest nichts

In engelgleicher Kindlichkeit,

Vom Frühling deines Angesichts!