Die Quelle
H. Esser
O du, für mich Blandusia's Quelle,
Und Born Petrarca's, bildervoll,
Leb' wohl, du vielgeliebte Welle,
Von der ich heute scheiden soll!
Du raunst mir zu, daheimzubleiben,
Du blickst mich wie verheißend an,
Und mußt doch selbst hinuntertreiben
In deiner vorgeschriebnen Bahn.
So laß mich auch die meine ziehen,
Und ziellos, über Berg und Thal;
Doch sie, von der ich stumm muß fliehen,
Sie grüße mir viel tausendmal!
Kommt' sie heut' Abend hergegangen,
Wo sich bis jetzt mich harrend fand,
Den Blick mit sehnlichem Verlangen
In deine klare Fluth gewandt,
Dann zaubre aus dem tiefen Spiegel
Des fernen Freundes Bild empor,
Und flüster ihr, statt Brief und Siegel,
Des Abschieds bangen Gruß in's Ohr.
In deinen Wellen mag sie lesen,
Was ich entfliehend dir vermacht,
Daß ich noch einmal hier gewesen
Und ihrer bis zuletzt gedacht!