Frauenlob
H. Esser
Wer will nach meiner Lehre
Erstreben Liebesziel,
Der soll der Frauen Ehre
Nicht haben für ein Spiel.
Ruhmredigkeit und Lügen
Verscherzet ihre Gunst;
Doch soll man sie betrügen
Mit feinen Werbens Kunst.
Von Frauen soll man sagen
Nur Gutes immerdar,
Weil nur bei ihnen gar
Ist Freude zu erjagen.
[Und wollen sie, o Wunder,
Sich lassen bitten noch?
Auch ob sie liegen unter,]
Sie siegen damit doch.
Wir können sie nicht meiden,
Wir sind den Frauen hold;
Es ziemet sich, in Seiden
Zu legen rothes Gold.
Von Frauen soll man sagen
Nur Gutes immerdar,
Weil nur bei ihnen gar
Ist Freude zu erjagen.
Die Falben zu den Braunen,
Die soll man haben lieb;
Schleichen soll man und raunen
Zu ihnen wie ein Dieb.
Ein wilder Mann wird nimmer
Als nur von Minne zahm;
O wohl ihm heut und immer,
Wer in ihr Netze kam!
Von Frauen soll man sagen
Nur Gutes immerdar,
Weil nur bei ihnen gar
Ist Freude zu erjagen.
Ihr schönen Kind' und Maide,
Vernehmet meinen Ruf!
Viel Lust ist auf der Haide,
Die dort der Sommer schuf;
O geht, sie dort zu schauen,
Und laßt uns mit euch gehn.
Man soll nur schöne Frauen
Bei frohen Männern sehn.
Von Frauen soll man sagen
Nur Gutes immerdar,
Weil nur bei ihnen gar
Ist Freude zu erjagen.