Gute Nacht

H. Esser

Es soll kein Tag sich enden,

Daß nicht zu dir, o Herz!

Sich meine Sinne wenden

Voll Liebeslust und Schmerz;

Daß nicht zu dir mit Schweigen

Aus meiner Seele Schacht

Viel hundert Grüße steigen

Zur süßen Gute Nacht!

Daß nicht die alten Zeiten,

Da mir dein Auge schien,

An mir vorübergleiten,

Leise, wie Geister ziehn;

Daß nicht von künft'gen Tagen

Ein morgenhelles Bild

Mit wonnevollem Zagen

Das tiefste Herz mir füllt!

Und will ich dann mich legen,

O dann, du holde Braut,

Sprech' wie zum Abendsegen

Ich deinen Namen laut:

Der wird auf raschen Schwingen,

Ein muntres Vögelein,

Zu dir hinüber klingen

Bis in dein Herz hinein!

Gute Nacht und schlaf' in Frieden,

Im Schlafe denke mein!

Laß, die der Tag geschieden,

Zu Nacht verbunden sein!

Laß uns im Traum uns küssen,

Und halten, Brust an Brust:

O weil wir träumen müssen,

So sei's ein Traum der Lust!