Herz auf der Wanderschaft

H. Esser

Mein warmes Herz, mein warmes Herz,

Wie schlug es einst so heftig,

Wie pochte es an meine Brust

So sehnsuchtstark und kräftig!

"O laß mich in die Welt hinaus

Wohl über Land und Meer!

Was muß das für ein Jubel sein,

Zu wandern kreuz und quer!"

Da schob' ich sacht den Riegel weg,

Und endlich ganz zur Seite, --

Da huschte rasch mein Herz hinaus

Und jagte in die Weite.

Und wo sich fand ein rother Mund,

Da rief es: "Ich bin Dein!"

Und wo sich eine Hand gezeigt,

Da schlug es lustig ein.

So lief mein Herz der Jahre viel

Herum in weiten Landen,

Drum fand nach Vagabundenart

Es oftmals sich in Banden!

Doch ward mir wohl die Zeit zu lang,

Da rief ich es zurück:

Komm' her, mein Herz, und sage mir:

Wie war denn Dein Geschick?

Du lieber Gott! Mein gutes Herz,

Wie bist du so voll Wunden!

Wie haben sie die zarte Haut

So blutig Dir zerschunden!

Du lieber Gott! Wie siehst du aus,

Du armes Herze mein!

Ach, Deiner Pilgerfahrt, sie muß

Gar schlimm gewesen sein!

"Je nun, wie's eben immer geht,

Und gehen wird auf Reisen.

Man nimmt das Üb'le in den Kauf,

Und muß das Gute preisen. --

Doch müde bin ich, das ist wahr,

Auf schmerzt mich da und dort!

Es wär' mir recht, ich fände jetzt

Zur Ruhe eine Ort!"

So komm', mein Herz! In meine Brust

Wohl will ich Dich verschließen!

Magst träumen da von Frühlingslust,

Von Blüthen, die Dich grüßen.

Nur fürcht' ich, das die scharfe Luft,

Mein armes Herz, dich weckt,

Da Deiner alten Hütte Dach

Schon weißer Reif bedeckt!