Lieblich
H. Esser
Herrlich ist meiner Freundin Gestalt,
Der Ort, wo sie wallt,
Ist lieblich.
Von ihres kosenden Mundes Scherzen
Blüht mir's im Herzen
Lieblich.
Deines Daseyns Weise, mein Mädchen!
Ist wie ein Blättchen
Der Rose,
Wie die Zipress' an Frühlingsflüssen
Von Kopfe zu Füßen
Lieblich.
Der Fantasieen Rosengefild
Füllet dein Bild
Mit Glanze;
Gewürzt durch deiner Jasminen Düfte
Des Herzen Lüfte
Sind lieblich.
Vor deinem Auge laß mich vergehen,
An diesen Wehen
Sterben,
Es werden durch deinen Wangenglanz
Die Schmerzen ganz
Mir lieblich.
Am Strom des Verderbens in finstrer Nacht
Irr' ich, es wacht
Kein Fährmann;
Aber dein Licht, im Innern blüht es
Meines Gemütes
Lieblich.
In der Wüste kein Weg noch Steg,
Und im Geheg
Die Räuber;
Hindurch zu dir durch Todes Mitte
Meine Schritte
Sind lieblich.