Meine Freundin

H. Esser

Die soll nicht meine Freundin sein,

Die nicht die Blumen liebt,

Nicht Blumen-gleich dem Himmelschein

Ihr Herzblatt offen giebt.

Wär' ihre Wange rosenroth,

Ihr Aug' ein Himmelblau

Wär Sonn' ein Lächeln, das sie bot,

Und ihre Red' ein Thau.

Ob eine Blum' aus Milch und Blut

Sie selber ging' und schwebt',

Aus, Blumenschnee und Blumengluth

Gegossen und gewebt.

Und wenn sie nach der Blume, die

Sich auf vom Boden rankt

Um ihr den Saum zu küssen, nie

Sieh niederneigt und dankt;

Und achtet nicht den leisen Trieb,

Der im Verborgnen glüht,

Und ist ihr nur der Flitter lieb,

Der in die Augen sprüht

Ihr Blumen, die ihr still und rein

Blüht welket und zerstiebt!

Die soll nicht meine Freundin sein,

Die nicht die Blumen liebt.