Mondnacht

H. Esser

Über die Berge, über den Fluss,

still und sacht,

wandert der Mond mit silbernem Fuß

durch die Nacht;

spielende Flämmchen, glitzernde Funken

tanzen und gaukeln am schimmernden Wehr,

und die Welt ruht schlummertrunken,

und schon atmet sie nicht mehr.

Über die Berge, über den Fluss,

still und sacht,

weiter und weiter schwingt sich mein Gruß

durch die Nacht,

pocht leise flüsternd an eine Pforte,

dicht vom rötlichen Wein umweht,

an ein Herz, das ohne Worte

meines Herzens Gruß versteht.

O du heiliger Liebesdrang,

still und sacht,

wandelnd und strebend die Welt entlang,

Tag und Nacht:

Trauernde Herzen, die einsam sich sehnen,

führst du zusammen wie Windesweh'n,

und aus Kummer und aus Tränen

blüht ein gold'nes Wiederseh'n!