Vertrauen
H. Esser
Mein Schifflein lag am Meeresstrand,
mit Lust war's anzuschauen,
hoch flatterte das Wimpelband;
das Schifflein hieß: Vertrauen!
Und günst'ger Wind von Osten her,
auf den die Schiffer bauen,
blies in die Segel mehr und mehr
und säuselte: Vertrauen!
Auch Well' auf Welle hob empor
sich aus der Flut, der blauen;
sie rauschten wie in einem Chor:
Vertrauen, musst vertrauen!
Und stark riss aus des Meeres Grund
die Anker ich an Tauen,
und rasch flog's Schifflein übern Sund;
ich rief: Ich will vertrauen!
Es liegt ein Wrack am Meeresstrand,
gar kläglich anzuschauen,
darauf kein Mast, kein Wimpelband;
das Schiff hieß einst: Vertrauen.
Und an dem Ufer auf Gestein
lieg' ich und seh' mit Grauen
ins Meer mit trübem Blick hinein;
gescheitert mein Vertrauen!