Viel hab' ich gesungen
H. Esser
Viel hab' ich gesungen, gekämpft und geträumt,
und viel auch getobt und gewettert.
Ich schlürfte den Wein, der im Becher geschäumt,
und bin, wann das Frührot die Wolken umsäumt,
auf die Gipfel der Berge geklettert.
O selige Jugend! Gar bunt und gar kraus
wohl hab' ich es oftmals getrieben.
Die Welt durcheilt' ich in Saus und Braus,
denn nimmer, ach, fand ich die Liebe zu Haus';
so bin ich ein Wand'rer geblieben.
Du rosiges Mädchen, nun ladest du ein
den Pilger, am Herde zu rasten;
dein Lied, es lockt mich so hell und rein,
mir ist, als ob Wundermelodei'n
mich mit tausend Armen erfassten.
O höre mich, Mädchen, o liebe mich, Lieb'!
Kann nimmer ins Ferne mehr schweifen!
Du bist es, nach der durch die Weite mich's trieb!
Den Tau der Gewährung nun gib mir, o gib,
die Saaten der Liebe zu reifen!