Weihnachtslied
H. Esser
Und zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wollt'st, du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimath her.
Da fällt dir mit dem Tannenbaum
Und mit dem Lichterschein,
Der ganze schöne, golden Traum
Von deiner Kindheit ein.
Es wird dir so erinnerungsmild,
Die Thränen kommen schier,
Und manches liebe Menschenbild
Tritt vor die Seele dir.
Und Mancher, der dir theuer war,
Und Gutes dir erzeigt,
Der schläft nun auch schon manches Jahr
Der Erde sei ihm leicht!
Und wem du in der Heimath bist
In Liebe zugethan,
Dem stecktest du zum heil'gen Christ
Gern auch ein Lämpchen an.
Und bist geschieden du in Groll,
Heut' thut dir's doppelt leid,
Und denkst nach Haus wohl wehmuthsvoll,
Das macht die Weihnachtszeit!
Denn bittrer ist die Fremde nicht
Als in der Weihnachtslust,
Wo du, ein unbekannt Gesicht,
Bei Seite treten mußt.
Drum zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wollt'st, du wärst nach Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimath her.