Winterabend

H. Esser

Die Welt ist rings so stille,

als läg' sie tief im Traum;

man hört nicht weinen, nicht lachen,

nur leise rauscht's im Baum.

Es klingen aus den Zweigen,

als säng' im Schlaf ein Kind,

der Fluren Schlummerlieder

so leise und so lind.

Das Dorf, es liegt im Dunkeln,

umwogt vom Nebelmeer;

der Wind trägt aus den Hütten

verworr'ne Laute her.

Nichts stört die tiefe Ruhe

der weiten Gotteswelt;

ein schüchtern Reh nur huschet

durchs schneebedeckte Feld.

Das ist der Himmelsfrieden,

ohn' Lärm, ohn' Streit und Spott,

das ist die Zeit zum Beten:

O höre mich, mein Gott!