Du musst nicht bangen, Gott

H. Feiertag

Du mußt nicht bangen, Gott. Sie sagen:

mein

zu allen Dingen, die geduldig sind.

Sie sind wie Wind, der an die Zweige streift

und sagt: mein Baum.

Sie merken kaum,

wie alles glüht, was ihre Hand ergreift, –

so daß sie's auch an seinem letzten Saum

nicht halten könnten, ohne zu verbrennen.

Sie sagen mein, wie manchmal einer gern

den Fürsten Freund nennt im Gespräch mit Bauern,

wenn dieser Fürst sehr groß ist und – sehr fern.

Sie sagen mein von ihren fremden Mauern

und kennen gar nicht ihres Hauses Herrn.

Sie sagen mein und nennen das Besitz,

wenn jedes Ding sich schließt, dem sie sich nahn,

so wie ein abgeschmackter Charlatan

vielleicht die Sonne sein nennt und den Blitz.

So sagen sie: mein Leben, meine Frau,

mein Hund, mein Kind, und wissen doch genau,

daß alles: Leben, Frau und Hund und Kind

fremde Gebilde sind, daran sie blind

mit ihren ausgestreckten Händen stoßen.

Gewißheit freilich ist das nur den Großen,

die sich nach Augen sehnen. Denn die andern

wollen's nicht hören, daß ihr armes Wandern

mit keinem Dinge rings zusammenhängt,

daß sie, von ihrer Habe fortgedrängt,

nicht anerkannt von ihrem Eigentume,

das Weib so wenig haben wie die Blume,

die eines fremden Lebens ist für alle.

Falle nicht, Gott, aus deinem Gleichgewicht.

Auch der dich liebt und der dein Angesicht

erkennt im Dunkel, wenn er wie ein Licht

in deinem Atem schwankt, – besitzt dich nicht.

Und wenn dich einer in der Nacht erfaßt,

so daß du kommen mußt in sein Gebet:

Du bist der Gast,

der wieder weiter geht.

Wer kann dich halten, Gott? Denn du bist dein,

von keines Eigentümers Hand gestört,

so wie der noch nicht ausgereifte Wein,

der immer süßer wird, sich selbst gehört.