Die Nonne

H. Fleischer

Sieben Ringe, sieben schwere Ringe

Sind als Fesseln um mein Herz geschweißt,

Und darunter zuckt es, wühlt und reißt,

Das das Band zerspringe.

Wie ein Netz von Eisen wiegt der Schleier,

Der von meinem Haupte niederwallt.

Ach, ich wollte, ihn zerrisse bald

Der ersehnte Freier.

Tröstet andre mit Verheißungsworten,

Ich erwarte keinen Himmel mehr.

Schein, wie wir, ist auch der Engel Heer

Vor den sel'gen Pforten.

Diese Erde gibt mir Lust und Leiden.

Laßt mich gehn auf meines Schicksals Spur;

Meinen schmerzlich schönen Anteil nur

Will ich an den beiden.

Aus dem Quell der Liebe will ich saugen;

Meinen Durst löscht keine andre Flut.

Lodern will ich, wie die Flamme tut

In des Freundes Augen.

Meine Sehnsucht mattet sich vergebens,

Doch sie wächst und wächst, eh' daß sie stirbt.

Wachsen soll sie, bis sie jäh erwirbt

Einen Tag des Lebens.

Einen Tag, den letzten und den ersten:

Wenn, von Liebe qualvoll überfüllt,

So mein Herz in seinem Drange schwillt,

Das die Ringe bersten.