Vorüber

H. Fleischer

Vorüber ist die Jugendzeit

Mir schnell, fast unbewußt,

Vorüber manches herbe Leid,

Manch' Seufzen in der Brust.

Ob Maienglanz, ob Winterschnee,

Ob Falschheit oder Treu,

Ob hohe Lust, ob tiefes Weh -

Heut' ist's mir einerlei!

Nicht grünt mir mehr ein Hoffnungsreis

An meinem Wanderstab,

Des Schicksals Hand strich drüber leis'

Die Blüten alle ab.

Wohl fielen Thränen dazumal,

Fast brach das Herz entzwei,

Doch heut', was gilt mir noch die Qual?

Heut' ist's mir einerlei!

Bricht jetzt der Tag auch trübe an,

Bläst kalt der Wind aus Nord,

Ich treibe meinen Lebenskahn

Auch im Gewitter fort.

Was wär's, wenn ihn die Flut verschlang,

Ich thät' nicht einen Schrei,

Hinstürb' ich ohne Sang und Klang -

Und alles wär' vorbei.

Drum laß es gehen, wie es will

Und nicht so sehr geklagt;

Halt, Herz, den Schlägen ruhig still

Und sei nicht so verzagt!

Vorüber zieht wie Wellenschaum

Der Winter, wie der Mai,

Bald birgt man dich im engen Raum -

Und alles ist vorbei.