Weh denen, die Böses gut
H. Fleischer
1 Wohlan, ich will meinem Lieben singen,
ein Lied meines Geliebten von seinem Weinberge:
Mein Lieber hat einen Weinberg an einem fetten Ort.
2 Und er hat ihn verzäunt und mit Steinhaufen verwahrt
und edle Reben darin gesenkt. Er baute auch einen Turm darin
und grub eine Kelter darein und wartete,
daß er Trauben brächte; aber er brachte Herlinge.
3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem
und ihr Männer Juda's, zwischen mir und meinem Weinberge.
4 Was sollte man doch noch mehr tun an meinem Weinberge,
das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn Herlinge gebracht,
da ich erwartete, daß er Trauben brächte?
5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich meinem Weinberge tun will.
Seine Wand soll weggenommen werden, daß er verwüstet werde;
sein Zaun soll zerrissen werden, daß er zertreten werde.
6 Ich will ihn wüst liegen lassen,
daß er nicht beschnitten noch gehackt werde,
sondern Disteln und Dornen darauf wachsen,
und will den Wolken gebieten, daß sie nicht darauf regnen.
7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel,
und die Männer Juda's seine Pflanzung, daran er Lust hatte.
Er wartete auf Recht, siehe, so ist's Schinderei,
auf Gerechtigkeit, siehe, so ist's Klage.
8 Weh denen, die ein Haus an das andere ziehen
und einen Acker zum andern bringen,
bis daß kein Raum mehr da sei,
daß sie allein das Land besitzen!
9 Es ist in meinen Ohren das Wort des HERRN Zebaoth:
Was gilt's, wo nicht die vielen Häuser sollen wüst werden
und die großen und feinen öde stehen?
10 Denn zehn Acker Weinberg soll nur einen Eimer geben
und ein Malter Samen soll nur einen Scheffel geben.
11 Weh denen, die des Morgens früh auf sind,
des Saufens sich zu fleißigen, und sitzen bis in die Nacht,
daß sie der Wein erhitzt,
12 und haben Harfen, Psalter, Pauken, Pfeifen und Wein
in ihrem Wohlleben und sehen nicht auf das Werk des HERRN
und schauen nicht auf das Geschäft seiner Hände!
13 Darum wird mein Volk müssen weggeführt werden unversehens,
und werden seine Herrlichen Hunger leiden
und sein Pöbel Durst leiden.
14 Daher hat die Hölle den Schlund weit aufgesperrt
und den Rachen aufgetan ohne Maß, daß hinunterfahren beide,
ihre Herrlichen und der Pöbel, ihre Reichen und Fröhlichen;
15 daß jedermann sich bücken müsse
und jedermann gedemütigt werde
und die Augen der Hoffärtigen gedemütigt werden,
16 aber der HERR Zebaoth erhöht werde im Recht und Gott,
der Heilige, geheiligt werde in Gerechtigkeit.
17 Da werden die Lämmer sich weiden an jener Statt,
und Fremdlinge werden sich nähren in den Wüstungen der Fetten.
18 Weh denen, die am Unrecht ziehen mit Stricken der Lüge
und an der Sünde mit Wagenseilen
19 und sprechen: Laß eilend und bald kommen sein Werk,
daß wir's sehen; laß herfahren
und kommen den Anschlag des Heiligen in Israel,
daß wir's innewerden.
20 Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen,
die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen,
die aus sauer süß und aus süß sauer machen!
21 Weh denen, die bei sich selbst weise sind
und halten sich selbst für klug!
22 Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen,
und Krieger in Völlerei;
23 die den Gottlosen gerechtsprechen um Geschenke willen
und das Recht der Gerechten von ihnen wenden!
24 Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt
und die Lohe Stoppeln hinnimmt, also wird ihre Wurzel verfaulen
und ihre Blüte auffliegen wie Staub.
Denn sie verachten das Gesetz des HERRN Zebaoth
und lästern die Rede des Heiligen in Israel.
25 Darum ist der Zorn des HERRN ergrimmt über sein Volk,
und er reckt seine Hand über sie und schlägt sie,
daß die Berge beben und ihre Leichname wie Kot auf den Gassen sind.
Und in dem allen läßt sein Zorn nicht ab,
sondern seine Hand ist noch ausgereckt.
26 Denn er wird ein Panier aufwerfen fern unter den Heiden
und dieselben locken vom Ende der Erde. Und siehe,
eilend und schnell kommen sie daher,
27 und ist keiner unter ihnen müde
oder schwach, keiner schlummert noch schläft;
keinem geht der Gürtel auf von seinen Lenden,
und keinem zerreißt ein Schuhriemen.
28 Ihre Pfeile sind scharf und alle ihre Bogen gespannt.
Ihrer Rosse Hufe sind wie Felsen geachtet
und ihre Wagenräder wie ein Sturmwind.
29 Ihr Brüllen ist wie das der Löwen,
und sie brüllen wie junge Löwen; sie werden daherbrausen
und den Raub erhaschen und davonbringen, daß niemand retten wird,
30 und werden über sie brausen zu der Zeit wie das Meer.
Wenn man dann das Land ansehen wird, siehe, so ist's finster vor Angst,
und das Licht scheint nicht mehr oben über ihnen.