D' Störchli

H. Goetz

Mys Chindli gsescht das Storchenäst

Uf säbem hoche Huus?

Es sind drü jungi Störchli drin,

Si gugged her, sie gugged hin,

Wohl über's Dörfli uus.

Was strecked's ihri Hälsli so?

Was möchted si gern gseh? -

Si gugged nah em Müetterli,

Es will ene es Füetterli

Zum Abigesse geh.

Und gsesch es dert, das Müetterli,

Im grüene Wiesli stah?

I syne rothe Strümpflene

Suecht's na de beste Mümpflene

Die's derte möchti hah.

Da macht es Fröschli: quag! quag! quag!

Und - wips! hät's es bym Bey,

Und bringt mit raschem Flügelschlag,

So geschwind's au numme flüüge mag,

Das Brätli freudig hey.

Die Junge speered d'Schnäbeli,

Und möchted's Fröschli ha;

Das Müetti aber seit: nu, nu!

Ihr beedi da, thüend d'Schnäbel zu,

Es gaht dem Alter nah.

Denn flüügt es wieder wie-n-en Pfyl,

Zum Teich am Wiesequell;

Es faht es Fischli, glatt und zart,

Und bringt denn uf der dritte Fahrt

Es Mölchli schwarz und gel.

So sorget es de ganze Tag

Für d'Chindli, ohni Rueh:

Und chunt denn d'Nacht, macht's ihne 's Bett,

Vo Flu

und Moos, und deckt's so nett

Mit syne Flügle zue.

Und wachsed ihne d'Fäderli,

So lehrt's es denn de Flug;

Da git's e lustigs Tänzerchor,

Sie mached's nahe - es macht's vor -

Und thuend z'erst läppisch gnug.

Doch grath am End das Flüügen au;

Denn nimmt's es mit zur Fahrt,

Zeigt ihne wo nie 's Fresse sind,

Und wie me fang, bald gmach, bald gschwind,

En jed's na syner Art.

Und d Störchli werded groß und starch,

Und 's Müetterli wird alt;

Chunt's mengist vo sym Freßzug hey,

Sind d'Füeß und d'Flügel schwer wie Bley,

Und d'Nacht, die dunkt's so chalt!

Und wenn denn d'Zyt zum Reise chunt,

Staht's mengist truurig da,

Und süüfzt: jetzt chunt e bösi Zyt,

Die Reis, die ischt erschröckli wyt,

Wie wird's mer ächtert gah?

Und ghöred's d'Chind so säged sie:

Ach, furch di nüd uf d'Reis,

Und sött si au no wyter gah;

Du häscht für eus ja gsorget gha,

Jetz ischt die Sorg an eus!

Und chunt denn de Jakobitag,

So rüefed's: Müetti, chum;

Astatt dem Flug mach jetz en Ritt,

Sitz uf 'nen Buggel, wo du witt,

Mer mached um und um.

Es höcklet uuf, si flüüget furt,

Wyt über Land und Meer;

Und i dem heißen Afrika

Faht 's Müetti wider z' chymen a,

Dert isch's em nümme schwer.

Liebs Chindli, säg, wie gfallt dir das?

Wend mir's nüd au so ha?

I bsorge dich so lang i cha,

Und will's vor Alter nümme gah,

So gaht's für dich denn a.

Du bsorgist mich wie ich dich jetz,

Und machst mir liecht und wohl;

Denn thut en jeders was es soll,

Und thut me das, so isch's eim wohl,

Ja, beeden ischt denn wohl!