Lied der Gertrud (aus dem Rattenfänger von Hameln)
H. Goetz
Immer schaust du in die Ferne,
wie die Wolken flieh'n,
wie am Himmel goldne Sterne,
ihre Bahnen zieh'n!
Und die hohen Gipfel locken
dich bergauf, bergab.
Knabe mit den braunen Locken,
nahmst den Wanderstab.
Hat ja nimmer dich gelitten
in des Vaters Haus;
stürmtest fort mit raschen Schritten,
an dem Hut den Strauß.
Sprachst zu mir beim Hände drücken:
"Kind, die Welt ist weit!"
und ich gab dir bis zur Brücken,
weinend das Geleit.
Rosen hab' ich dir gebrochen,
wie der Dorn auch sticht,
was beim Abschied du versprochen,
o vergiß es nicht!
Ach, verweht sind Wort und Lieder
und verrauscht das Glück.
Brauner Knabe, kehrst du wieder
an mein Herz zurück?