Abendröte der Liebe
H. Hermann
Ich seh' dich schon in unsern alten Tagen,
Wenn deine Locken weiß geworden sind.
Mit ihren weichen Ringeln spielt der Wind,
Und einen Strauß wirst du im Gürtel tragen.
Vom Lesen blick' ich auf, um dir zu sagen,
Ich liebe dich, und du bist reizend, Kind! -
Dann lächelst du und eilst hinweg geschwind
Und sagst, ich soll vernünftig mich betragen.
Und wenn wir schlendern in der Abendfrische,
Sehr langsam, räum' ich dir mit meinem Stabe
Die Steine fort, zum Ritterdienst noch tüchtig.
Ein achtzigjähr'ger Pfarrer kommt zu Tische.
Er hat das Podagra, der alte Knabe;
Du bist vergnügt und ich bin eifersüchtig.