Ach, wie es kam

H. Hermann

Ach, wie es kam,

Und wie es so ganz mich gefangen nahm,

Ich weiß es nicht!

Es kam der Lenz mit verwirrendem Licht

Und warmem Hauch

Und mit ihm, da kamen die Blätter auch.

Und auf den Blättern, da stand's geschrieben,

Daß ich dich sollte unsäglich lieben,

-- So wird es wohl gekommen sein.

Ich mag mich nicht mehr in Gedanken versenken

Und ohne zu denken,

Bin ich nun dein!

Und wie es kam,

Daß es auch dich gefangen nahm,

Weißt du es noch?

Erst warst du so angstvoll, erst warst du so scheu;

Im Innern doch

Schon warst du mir eigen, schon warst du mir treu.

Aber dich schreckten auf allen Schritten

Rücksicht und Sitten.

Doch plötzlich, da schautest du drein,

Ach, mit so liebesentschlossenen Mienen,

Und was dir so schrecklich, so groß gescheinen,

Es wurde so winzig klein --

Und ohne Rücksicht, so wie ich dein,

Bist du nun mein!

Und da wir nun eins geworden sind,

Da schwatzt es jedes Kind,

An jeder Ecke verweht es der Wind,

Es staunen und zischeln und lästern

Die Strickstrumpf-Schwestern,

Und wenn sie dich seh'n

Glücklich vorübergehn,

Seh'n, wie dein ganzes Wesen blüht,

Wie dein schönes Antlitz glüht,

Sie raunen,

Das sei von meinen Küssen. --

Laß sie nur raunen, laß sie nur staunen,

Werden sich dran gewöhnen müssen.