Der Musikant
H. Hermann
Rumdaradei! Rumdaradei! —
Tanzt! Ich schlage auf die Tasten!
Klappern soll der alte Kasten!
Walzer — Polka — Hopser — Springer!
Dreht Euch, dreht Euch, bunte Dinger!
Während meine Finger scherzen,
Brennt die Hölle mir im Herzen!
Rumdaradei! Rumdaradei!
Tod und Leben einerlei!
Einst, in meines Vaters Hause,
Bei dem frohen Tanzgebrause
Schwang ich mich beim Kerzenscheine,
Und ein Mädchen war die Meine.
Zwanzig Musikanten bliesen
Einen Tanz wie diesen, diesen —
Rumdaradei! Rumdaradei!
Tanz und Teufel einerlei!
Und mich riß die Kunst von hinnen,
Nach der Sonne stand mein Sinnen.
Ew'ges Wort aus Dichters Munde,
Bühnenglanz und sel'ge Stunde,
Göttlich Sehnen, heilig Ringen —
Nie Erfolg und nie Gelingen! —
Rumdaradei, Rumdaradei,
Und die Sonne zog vorbei!
Und ich hab' von fernen Höhen
Meines Vaters Schloß gesehen,
Bin ins grüne Gras gesunken,
Hab' die traute Luft getrunken.
Fort mein Glück und todt mein Sehnen —
All mein Gut im Aug' die Thränen!
Rumdaradei! Rumdaradei!
Dreht Euch! Dreht Euch! Eins, zwei, drei!
Dreht Euch, daß die Funken stieben! —
Und wo ist mein Lieb geblieben? —
Wo ich lag, vom Gram zerschlagen,
Fuhr vorbei ein Fürstenwagen,
Hielten Zwei sich drin umwunden,
Bis mir Sinn und Geist entschwunden.
Rumdaradei, Rumdaradei!
Weib und Weib ist einerlei!
Als ich in die Stadt gekommen,
Hat der Wirth mich aufgenommen,
Spiele nun bei jedem Feste
Für die Kinder, für die Gäste
Bis erlahmt die alten Tatzen,
Bis die Saiten schrill zerplatzen —
Rumdaradei, Rumdaradei —
Tod und Leben einerlei!