Drei Wandrer
H. Hermann
Drei Wandrer sind gegangen,
Und als der Abend fiel,
Da trugen sie Verlangen
Nach frohem Kartenspiel.
Der Jüngste sprach: "Ich bitte,
Sagt an, geht es um Geld?"
Und Antwort gab der Dritte:
"Wir spielen um die Welt!"
Der Jüngste, frei vom Grame
Und wie ein Maitag frisch,
Der warf die Herzendame
Helllachend auf den Tisch:
"Dann mag's euch nur nicht grämen,
Mir blieb das beste Stück,
Das soll mir keiner nehmen,
Juchhei! Ich bin das Glück. "
Der Zweite mit dem fahlen,
Durchfurchten Angesicht
Sprach: "Bruder, laß dein Prahlen,
Die Karte fürcht' ich nicht!
Was scheert mich deine Thräne
Und was dein rotes Herz!
Ich stech' mit der Kreuz-Zehne,
Gebt Raum -- ich bin der Schmerz!"
Der Dritte dumpfen Tones
Hat heimlich nur gelacht,
Sprach dann voll bittern Hohnes:
"Was ihr für Späße macht!
Ich lös' die Welt vom Leide,
Von Glück und Schmerz und Not,
Ich nehm' euch alle beide,
Trumpfaß! Ich bin der Tod."