Frühlingsnacht

H. Hermann

Die Frühlingsnacht ist lau und lind

Und märchenschön, wie du, mein Kind.

O, könnt' ich statt des Wildbachs Rauschen

Ein herzig Wort von dir erlauschen,

Nur einen Laut,

So seelentraut!

Der Flieder durchduftet das Lenzgefild.

Ich kranke vor Sehnsucht, du Engelsbild;

Ich seufze hinaus in die Sternenhelle

Wie ein Gefang'ner aus einsamer Zelle

Und träume zurück

Versunk'nes Glück.

Die Nacht ist verschwiegen, die Nacht ist warm.

O ruhtest du doch in meinem Arm:

Den Mund an den deinen möcht' ich pressen,

Mein Schicksal und die Welt vergessen -

Und all das Leid

Der Trennungszeit.