Jung Diethelm
H. Hermann
Die Sonnwendnacht im schweigenden Tann,
Das ist ein träumerisch Reiten!
Auf süße Weisen Jung Diethelm sann
Und ließ die Zügel gleiten.
Sein Rößlein schritt und trug ihn sacht
Durch die Sonnwendnacht
In heimliches Waldgehege
Da trotzte der Fels im Wege.
Jung Diethelm aus dem Sattel sich schwang,
Da blitzt es auf aus dem Dunkel,
Des Berges Pforte mit Krachen sprang,
Und es brach ein Gegleiß und Gefunkel
Von schimmernden Schätzen aus tiefem Schacht
durch die Sonnwendnacht.
Jung Diethelm zückte sein'n Degen
Da trat ein Weib ihm entgegen
Nie hatt' er so liebliche Wunder geschaut
Und das sprach mit lächelndem Munde:
"Mir ist des Hortes Hut vertraut,
Und du kommst zu gesegneter Stunde.
Nur einmal im Jahre ward mir die Macht:
In der Sonnwendnacht!
Greif zu! Heut darf ich dir spenden,
Was du fassen magst mit deinen Händen!"
Jung Diethelm sah das herrliche Weib,
Da war nicht lang sein Besinnen:
Die Arme schloß er um ihren Leib
Und trug die Beute von hinnen.
"Was soll mir des Goldes trügende Pracht?
In der Sonnwendnacht Gewann ich die köstlichste Habe!
Nun trabe, mein Rößlein, trabe!"