Zwei Engel
H. Hermann
Es waren einmal zwei Engel,
So schön wie die Engel sind,
Der Eine ein Sohn der Hölle,
Der Andre des Himmels Kind.
Sie waren zu einander
In heißer Lieb entbrannt,
Und durften sich doch nicht grüßen
Nicht herzen mit Mund und Hand;
Denn aus den himmlischen Auen
War er für immer verbannt,
Von ferne nur durft' er schauen
Sein glänzendes Vaterland.
Da stieg in nächtlicher Stunde
Herab zum höllischen Brand
Die leuchtende Himmelstochter,
Wo sie den Liebsten fand.
Wohl ward sie von Gott verstoßen
Aus der seligen Geister Kreis,
Es weinten die Himmelsgespielen
Um sie viel Thränen heiß.
Doch mißte sie gern den Himmel
Mit seiner sonnigen Pracht --:
Es stieg ja mit ihr die Liebe
Hinab in der Hölle Nacht.