Chorpastorale
H. Herrmann
Präludium und Choral
Morgenfrühe. - Tiefes Schweigen lagert über weiter Welt,
leise nur von welken Zweigen bunter Blätterregen fällt.
Überm Wiesenbach und Weiher wogt ein weißer, feiner Duft,
wie ein tränenzarter Schleier schwebt er durch die laue Luft.
Waldumsäumte Bergesgipfel sind in Düstergrau gehüllt,
bis im Osten durch die Wipfel sanfte Morgenröte quillt.
Lichtloh glänzt der goldnen Gluten Flammenschein durch Flur und Feld,
und aus Rosendämmerfluten steigt die Pracht der Alpenwelt.
Musette
Mittagszauber. - Wunderweben stiller Wäldereinsamkeit.
Fernher märchensilbern beben Melodien, wie Geläut.
Herdenglöcklein sind's, die klingen wie ein tausendstimmig Lied,
das auf seltsam sanften Schwingen lieblich durch die Halde zieht.
Buchenwälder, goldumsponnen, leuchtennoch in letzter Pracht,
Lenzerinnern, Frühlingswonnen hat der Herbstglanz leis entfacht.
Notturno pastorale
Abendfrieden. - Majestätisch schwindet und verblast der Sonne Strahl,
weißer Nebelschleier windet sich durchs träumend tiefe Tal.
Schimmernd bricht durch Dämmerschatten silberweißes Mondenlicht,
das um Wald- und Wiesenmatten milden Märchenzauber flicht.
Säuselnd in den Tannenbäumen summt der Wind ein leises Lied,
das wie abschiedsherbes Träumen durch die kühle Herbstnacht zieht.