Meerfahrt

H. Huber

Fernhin leuchtet das Meer... Lege das Ruder bei!

O wie lieblich du bist! Reiner, vom Abendrot

Goldgrundähnlich umstrahlt, heben des keuschen Leibs

Knospende Formen sich ab.

Nimm die Laute, o nimm! Heiliger Friede stimmt

Unmutglättend, wie Öl, welches die Wogen stillt,

Klar und groß mein Gemüt, wenn du des Saitenspiels

Schlummernden Zauber beschwörst.

Tief aufhorcht die Natur, wie der getragne Ton

Meerflutartig sich hebt, bald wie die Ebbe sinkt,

Nochmals schwillt und erstirbt, bis er wie Windeswehn

Längs den Gestaden verhallt.

Dämmernd neigt sich der Tag... Schon im Limonenhain

Sehnsuchtweckenden Lauts flötet die Nachtigall...

Horch! Zum Wechselgesang fordert ihr schmachtend Lied

Fordert zur Liebe uns auf.

Lauter pocht dir das Herz... lauscht es der Nachtigall?

Bebt dein eigner Gesang zitternd im Innern nach?

Doch du lächelst und schweigst... Über das goldne Meer

Senke den Schleier, o Nacht!