Die Königin von Samarkand

H. Jelmoli

Die Königin von Samarkand

Hat mich zum Haushofdichter ernannt,

Ich muß, als einzige meiner Pflichten,

Alljährlich dafür ein Rhadowar dichten,

Das ist: ein Huldigungsgedicht

Auf ihre Anmut und ihr Gesicht.

Mir macht, da wir niemals uns sehen werden,

Dies weiter auch keine Charakterbeschwerden;

Vielleicht ist sie schön, vielleicht auch nicht.

Doch ich nehm' es ernst mit meinem Gedicht

Und wähle mir hier unter tausend Modellen

Das schönste, um würdig sie darzustellen;

Die Lini, die Tini, die Amaranth

War mir schon Fürstin von Samarkand.

Nun für den kommenden Liederlenz

Schreibe ich aus eine Preiskonkurrenz:

Ihr Mädchen von Deutschland, seid alle geladen;

Ich will euch betrachten mit Huld und mit Gnaden,

Und welche die Schönste und Lieblichste ist

Und am reinsten lacht und am besten küßt,

Und die auf den hübschesten Füßchen schreitet,

Im leichtesten Tanz über Blumen gleitet

Und sonst - ich meine auch im Gesicht -

Am besten meinem Willen entspricht

Und hat für die Würde den rechten Sinn:

Die wähle ich heuer zur Königin!

Nur meldet euch schnell, schon keimt's in der Erden:

Wer will heuer Fürstin von Samarkand werden?