Waldesnacht

H. Jüngst

Es ist ein gar gemüthlich Thun,

So Nächtens durch den Wald zu ziehn,

Wenn alle Sängervöglein ruhn

Still in der Zweige dunklem Grün;

Wenn Schweigen ausgebreitet liegt

Gespensterhaftig rund umher,

Und sich der Ast zum Aste biegt

Als kündet' er ihm leise Mahr'.

Da schreit' ich selber stumm fürbaß,

Und sieh', mir ward ein reicher Trost:

Wo kampfbereit, ohn' Unterlaß,

Des Lebens Stürme sonst getoßt,

Ein stiller See, geglättet ruht

Nun meiner Seele tiefster Grund --

O Waldesnacht, wie thust du gut

Den Herzen, die da krank und wund!