Allgegenwart

H. Kaun

Du gehst nie von mir,

ich bleibe bei dir;

denn du bist in mir

fern wie nah.

In jedem Herzschlag,

der mich belebt,

bist du's, die mit mir

durchs Leben strebt.

Mit jedem Atemzug,

der mir die Seele klärt,

fühl ich, wie deine

Seele mich nährt,

die mir allinnerlich

Seele der Welt ist,

in Allem such ich dich,

du Welt mit mir!

In Allem find ich dich:

dich in dem bangen

Hinausverlangen

des Winds im Wald,

dich in dem Widerstreit

der Blätter über mir,

dich in der Innigkeit

der Gräser hier,

dich in der Wolke dort,

aus der die Sonne quillt,

wie du so lauter,

so warm und mild,

dich in der Träne,

die jetzt von Herzen still

aus meinen Augen

zu dir will.