Das Posthorn

H. Kaun

Horchend über schroffe Mauern

Auf die Nachtigallenlieder

Schaun zwei jugendliche Nonnen

In das Thal voll Sehnsucht nieder.

Wundervolle Frühlingsmondnacht!

Klang und Sang in lauen Lüften,

Luft'gen Silbers volle Schale,

Schwimmt das Thal in Glanz und Düften.

Horch, da rollt's im Grund; es klinget

Eines Posthorns muntres Tönen,

Und die Jüngste hüllt ihr Antlitz,

Und sie wendet sich mit Thränen. -

Doch die Klosterglocke schrillend

Übertönt das Horn, das helle -

Und die Nonnen wandeln schweigend

Zum Gebet in ihre Zelle.