Der Führer
H. Kaun
Noch liegt auf Berg und Gletscher die Nacht,
Da rasseln die Wecker, die Hütte erwacht.
Vom Herd springt ungeduldiger Glanz.
"Ein Führer fehlt, der lange Hans."
Der Fremde geht fröstelnd ums Haus herum;
Dort steht der Hans und wartet stumm.
Und sie wandern schweigend ins Dunkel hinein,
Das Mondlicht spiegelt auf nassem Gestein.
Und das Mondlich ermattet; der Berge Gestalt
Zeichnet sich schärfer, wird grau und kalt.
Im Dämmer springt Hans von Block zu Block,
So seltsam schlottrig sitzt Hose und Rock.
Da fühlt der Fremde ein rieselndes Graun,
Muß immer nur vorn nach dem Führer schaun,
Und sieht, als der Firn aufschimmert fahl,
Ein Knochenhand um des Pickels Stahl,
Und sieh, als der vorne den Kopf jetzt reckt:
Die Pfeife in fleischlosen Kiefern steckt!
Ihn würgt es -- Schrei erstickt und Wort;
Er will zurück -- doch es reißt ihn fort.
Schon sind sie am Gletscher, sein Blick wird irr,
Und willenlos folgt er ins Spaltengewirr. --
Aufflamen die Firne, ein leuchtender Kranz --
Um die Hütte irrt suchend Führer Hans.